Sie sind hier:  Ju-Jutsu
 

Ju-Jutsu,

mehr als nur Selbstverteidigung!

Ju-Jutsu ist eine realistische und effektive Selbstverteidigungs- und Wettkampfsportart, die 1969 in Deutschland entwickelt wurde. Aus den Kampfsportarten Judo, Karate, Aikido und dem traditionellen Jiu-Jitsu wurden die jeweils effektivsten Techniken in einem neuen, eigenständigen System für eine wirksame Selbstverteidigung vereint. Ju-Jutsu ist ein sog. "Crossfighting-System", das heißt, es beinhaltet alle Distanzen, von der weiten Schlag- und Trittdistanz über den sog. Infight, also der Nahkampfdistanz mit anschließenden Würfen bis in den Bodenkampf. 

 

Anfang der 90er Jahre wurde Ju-Jutsu als selbständiger Sportverband, dem Deutschen Ju-Jutsu-Verband im Deutschen Olympischen Sportbund etabliert. Im Zuge einer umfassenden Reform des Ju-Jutsu im Jahr 2000 gewinnen zunehmend philippinische Kampfkünste wie Escrima, Arnis oder Pekiti Tirsia Kali an Bedeutung und fließen in das Ju-Jutsu ein.

 

Ju-Jutsu beinhaltet mehr, als der Name alleine zu erkennen gibt. "Ju" bedeutet nachgeben oder ausweichen, "Jutsu" Kunst oder Kunstgriff.




Ju = sanft, ausweichen, nachgeben




Jutsu = Kunst, Kunstgriff

 

Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen und unter Ausnutzung der Kraft des Angreifers zu siegen. Dieses ökonomische Prinzip, nämlich mit geringstem Aufwand einen größtmöglichen Nutzen zu erzielen, gilt als wesentliches Element unseres modernen Ju-Jutsu-Systems. Nicht Kraft gegen Kraft setzen, sondern Nachgeben um zu siegen. Ziehen, wenn man gestoßen wird - stoßen, wenn man gezogen wird. Dies macht Ju-Jutsu insbesondere auch für die Frauenselbstverteidigung interessant. Das Wissen um das eigene, antrainierte Können und damit die eigenen Möglichkeiten stärkt das Selbstbewusstsein – die Grundlage für einen wirksamen und sinnvollen Selbstschutz.

 

Ju-Jutsu ist sehr individuell nach den körperlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten der jeweiligen Sportler/innen konzipiert. Es beinhaltet neben dem gekonnten Fallen Schläge, Stöße, Tritte und Würfe als harte Techniken, die den Angreifer abwehren sollen. Hebel-, Halte- und Festlegetechniken zählen in der Regel zu den weicheren Mitteln. Damit kann der Angreifer abgewehrt, ohne ihn ernsthaft verletzen zu müssen. Dies ermöglicht dem Verteidiger, im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Verhältnismäßigkeit in Notsituationen stets eine angemessene Verteidigungstechnik anwenden zu können.

 

Ein weiterer Schwerpunkt im Ju-Jutsu ist die Verteidigung von Angriffen mit Waffen. Bereits in den unteren Kyu-Graden wird die Abwehr von Angriffen mit einem Stock, Messer und Schlagkette trainiert. Auch die Verteidigung unter Zuhilfenahme eines Stockes oder anderen Alltagsgegenständen gegen einen bewaffneten oder unbewaffnen Angreifer ist Gegenstand des Ju-Jutsu-Selbstverteidigungssystems. Hier profitieren wir Ju-Jutsukas von den Erfahrungen aus den traditionellen philippinischen Kampfkünsten, insbesondere dem Petiki Tirsia Kali, bei dem der Stock- und Messerkampf im Vordergrund stehen. Die Erkenntnisse hieraus fließen in das System der Waffenabwehr im Ju-Jutsu ein. Pekiti Tirsia Kali ist nunmehr seit einigen Jahren fester Bestandteil des Trainings bei Hans-Jörg Müller.  

 

Die Graduierungen (Gürtelfarben) sind im Ju-Jutsu identisch mit den meisten anderen Kampfsportarten. Sie reichen vom niedrigsten Schülergrad, dem 6. Kyu (Weißgurt), über Gelb-, Orange-, Grün-, Blau- und Braungurt (1. Kyu) bis zu den schwarzen Gürteln, den Meister-Graden (Dan-Grade). Bis zum 5. Dan können Graduierungen durch technische Prüfungen erlangt werden. Höhere Dan-Grade werden an Ju-Jutsuka verliehen, die sich sehr um unseren Sport verdient gemacht haben. Bis einschließlich Grüngurt werden die Prüfungen im Verein abgenommen, höhere Gürtelgrade werden auf hessenweiten Landesprüfungen erworben.

 

Eine wesentliche Besonderheit des Ju-Jutsu ist seine stetige Weiterentwicklung, die sich zu einem großen Teil aus den im täglichen Dienst der Polizeibeamten gemachten Erfahrungen ergibt. Wenn sich im Laufe der Zeit Angriffs- und Verhaltensmuster von Gewalttätern verändern und dabei festgestellt wird, dass die Verteidigungstechniken nicht effektiv genug sind, werden sie entsprechend angepasst. Auch ein ständiges "über den Tellerrand hinaus schauen" in andere Kampfsportarten ermöglicht eine stetige Fortentwicklung des Ju-Jutsu im Sinne einer effektiven, modernen Selbstverteidigung. Neben den vorgenannten philippinischen Kampfkünsten sind dies z.B. das traditionelle Boxen oder Thaiboxen Muay Thai, das von Bruce Lee entwickelte Jeet Kune Do, Kickboxen oder Brazilian Jiu-Jitsu, eine sehr bodenkampfbezogene Stilrichtung des Jiu-Jitsu (Mittwochstraining bei Carlo Wiegand).